Extech HD350 Pitot-Rohr-Anemometer mit Differential-Manometer: Warum Henri Pitot’s 1732-Erfindung immer noch das Standard-Verfahren ist, um Luftgeschwindigkeit in einer engen HVAC-Lüftungskanal-Öffnung zu messen

Veröffentlicht am 15. Juli 2026 um 06:31 Uhr

Luftgeschwindigkeitsmessung in Rohren und Lüftungskanälen ist eine der ältesten Aufgaben der Fluid-Mechanik. Der französische Ingenieur Henri Pitot erfand 1732 das nach ihm benannte Rohr um Wassergeschwindigkeit in der Seine zu messen. 293 Jahre später ist das Pitot-Rohr immer noch das STANDARD-Verfahren für Fluid-Geschwindigkeitsmessung — von Flugzeug-Fluggeschwindigkeit über Luftströmung in Kraftwerks-Rauchgängen bis HVAC-Anlagen-Balance.

Warum Pitot-Rohr für HVAC-Anwendungen

Alternative Anemometer-Technologien haben spezifische Nachteile für Innen-Rohr-Messungen:

Vane-Anemometer (Flügelrad):

  • Sensor-Durchmesser typisch 20-70 mm.
  • Muss in Rohr-Öffnung sein.
  • Nicht geeignet für in-situ-Messung durch kleine Öffnungen.
  • Bester Anwendung: Auslassöffnungen, große Kanäle.

Hitzdraht-Anemometer:

  • Sensor-Sonde 8-12 mm Durchmesser.
  • Sensitiv für Vibration und Partikel-Verunreinigung.
  • Bester Anwendung: Präzisionsmessung bei niedriger Geschwindigkeit (unter 5 m/s).

Pitot-Rohr (HD350):

  • Rohr-Durchmesser typisch 3-6 mm.
  • Ideale Wahl für IN-SITU-Messung durch Rohrbohrungen.
  • Keine bewegten Teile — mechanisch robust.
  • Bester Anwendung: hoher Geschwindigkeitsbereich (5-100 m/s), Rohr-Bilanzierung.

Bernoullis Gleichung — die Physik dahinter

Ein Pitot-Rohr misst nicht direkt Geschwindigkeit — es misst DRÜCKE, aus denen die Geschwindigkeit berechnet wird. Die Physik basiert auf der ERHALTUNG der Energie in einem strömenden Fluid.

Bernoullis Gleichung besagt für ein inkompressibles Fluid:

P_total = P_statik + ½ρv²

Wo:

  • P_total = totaler Druck (Impakt-Druck, gemessen an der Front-Öffnung, die direkt gegen den Fluidstrom zeigt).
  • P_statik = statischer Druck (Umgebungsdruck der Strömung, gemessen an den Seiten-Öffnungen senkrecht zur Strömung).
  • ρ = Fluid-Dichte (~1,225 kg/m³ für Luft bei Standardbedingungen).
  • v = Fluid-Geschwindigkeit.

Umgestellt nach v:

v = √(2 × (P_total − P_statik) / ρ) = √(2 × ΔP / ρ)

Wenn wir also den DIFFERENZ-DRUCK ΔP messen können, ist die Geschwindigkeit berechenbar.

Wie das Pitot-Rohr konstruiert ist

Das Pitot-Rohr ist eine dünne Rohr-in-Rohr-Konstruktion:

  1. Zentrale Rohr-Öffnung (Impakt-Öffnung): Am vordersten Ende, direkt gegen die Strömung ausgerichtet. Fluid staut sich hier auf und erzeugt vollen dynamischen Druck. Verbunden mit einer Seite des Differential-Manometers.
  2. Statische Ring-Öffnungen: Kleine Löcher an den Seiten des Rohrs, ca. 10 Rohr-Durchmesser hinter der Front-Spitze. Sie messen den statischen (Umgebungs-)Druck der Strömung. Verbunden mit der anderen Seite des Differential-Manometers.
  3. Zwei Anschlussschläuche: Führen die zwei Drücke separately zum HD350-Instrument.

Das HD350-Instrument enthält einen präzisen Differential-Drucksensor (piezoresistiv, MEMS-Technologie), der den Unterschied zwischen den beiden Drücken misst.

Anwendung: HVAC-Rohr-Bilanzierung

Standard-Verfahren für Lüftungskanal-Bilanzierung nach VDI 3803:

  1. Bohrung durch die Kanalwand (typisch Ø3-5 mm), an einer Stelle mit stabiler Strömung (mindestens 10 Rohr-Durchmesser stromabwärts von Krümmungen oder Filtern).
  2. Pitot-Rohr einführen, so dass Impakt-Öffnung auf Rohrmitte-Position eingestellt ist.
  3. Rohr in Bezug auf Strömungsrichtung ausrichten (Frontstirn direkt gegen Fluidstrom).
  4. Instrument abwarten für Druck-Stabilisierung (5-10 Sekunden).
  5. Geschwindigkeitsmessung ablesen.
  6. Wiederholung bei mehreren Punkten des Rohr-Querschnitts (typisch 8-16 Punkte, log-linear verteilt).
  7. Durchschnitts-Geschwindigkeit ergibt Volumenstrom (v × A, wo A die Rohr-Querschnittsfläche ist).

Log-linear-Punkte-Verteilung berücksichtigt die Grenzschicht-Verlangsamung an der Rohrwand. Ohne mehrfache Punkte kann die Durchschnitt-Geschwindigkeit 5-15 % vom wahren Wert abweichen.

Simultane Anzeige: Druck + Geschwindigkeit + Temperatur

HD350 zeigt gleichzeitig:

  • Differential-Druck (5 wählbare Einheiten: Pa, mbar, mmH2O, inH2O, psi).
  • Berechnete Luftgeschwindigkeit (m/s, km/h, ft/min).
  • Volumenstrom (bei manuellem Eingabe der Rohr-Querschnittsfläche).
  • Temperatur (aus zusätzlichem Sensor am Pitot-Rohr).

Temperatur ist wichtig für die Genauigkeit — die berechnete Luft-Dichte ρ in Bernoullis Gleichung hängt von Temperatur und Luftdruck ab. Standard-Wert 1,225 kg/m³ gilt bei 15 °C und 1013 mbar. Bei 25 °C reduziert sich Dichte auf 1,184 kg/m³, was einen 1,7 % höheren Geschwindigkeits-Auslesungsfehler wenn nicht kompensiert bedeutet.

HD350 kompensiert automatisch, wenn Temperatur eingegeben wird.

Genauigkeit und Bereiche

  • Differential-Druck-Bereich: ±0,7252 psi (±50 mbar).
  • Präzision: typisch ±0,3 % des Bereichs.
  • Berechnete Geschwindigkeit: 5-100 m/s praktisch verwendbar.
  • Untere Grenze: unter 5 m/s wird der Differenz-Druck zu klein (< 0,15 mbar) für präzise Messung. Für langsamere Strömung Hitzdraht-Anemometer verwenden.
  • Obere Grenze: über 100 m/s beginnen kompressible Effekte, Bernoullis Gleichung wird nicht mehr genau anwendbar.

Zero-Funktion — kritisch für kleine Drücke

Bei Messungen an kleinem Differenz-Druck (typisch 0,1-1 mbar für langsame Strömung) beeinflussen atmosphärische Druck-Schwankungen die Auslesung dramatisch. Die Zero-Funktion:

  1. Beide Schläuche vor der Messung offen zur Atmosphäre lassen.
  2. Zero-Knopf drücken. Instrument setzt aktuelle Druck-Auslesung als 0-Punkt.
  3. Danach zeigt Instrument nur ABWEICHUNG von diesem Nullpunkt.

Dies eliminiert atmosphärische Baseline-Drift und optimiert Präzision bei niedrigen Differenz-Drücken.

Max/Min/AVG-Aufzeichnung und Zeitstempel

Bei fluktuierenden Strömungen (turbulente Zonen, pulsierende Ventilatoren) sind einzelne Momentanwerte nicht repräsentativ. HD350 zeichnet:

  • Maximum-Wert seit Start.
  • Minimum-Wert seit Start.
  • Durchschnittswert seit Start (aus alle Messungen im Intervall).
  • Relative Zeit-Stempel für jede Extreme.

Bei 30-Sekunden-Messung an einer Position ergibt sich ein AVG-Wert, der wesentlich zuverlässiger ist als ein Einzelwert.

USB-Anschluss und PC-Software

Windows-Software zur:

  • Grafische Darstellung der Messungen über Zeit.
  • Speicherung von Messungen mit Metadaten (Standort, Uhrzeit, Rohr-Dimension).
  • Volumenstrom-Berechnung mit variablen Rohr-Geometrien.
  • Reportgenerierung für HVAC-Balancing-Dokumentation.

99 Messwerte-Speicher pro Modus

HD350 speichert bis zu 99 Messwerte für Druck, Geschwindigkeit UND Volumenstrom. Für ein typisches HVAC-Balancing-Projekt (Bilanzierung eines mittelgroßen Bürogebäudes mit ~50 Auslässen) ist der Speicher ausreichend.

Anwendungen

HVAC-Balancing: Standard-Anwendung für Lüftungsanlagen-Inbetriebnahme und Wartung. Verifikation, dass jeder Auslass die konstruierte Luftmenge erhält.

Industrielle Absaugungen: Bilanzierung von Punkt-Absaugungen an Schweiß-, Schleif-, und Chemie-Arbeitsplätzen (BGR 121).

Reinraum-Verifizierung: Laminar-Flow-Geschwindigkeiten in Halbleiter- und Pharma-Produktion.

Rauchgasstrom-Messung: Emissionsmessung in Kraftwerken und Verbrennungsanlagen.

Windkanal-Verifizierung: Verifikation von Windkanal-Geschwindigkeiten in Automobil-, Aerodynamik- und Baustatik-Forschung.

Gebäude-Luftdichtheit-Prüfung: Verbindung mit Blower-Door-Test-Systemen.

Feuerwehr-Rauchentwicklung-Analyse: Verifikation der Strömungsrichtung und -geschwindigkeit in Brandschutz-Systemen.

Landwirtschafts- und Stall-Belüftung: Verifikation von Lüftungsraten in Tierhaltungsstall-Anlagen.

Zug-Windschutzscheibe-Test: Aerodynamische Messungen an Test-Zug-Wagons.

Luftfahrt-Tests: Windgeschwindigkeit-Messung an Flugzeug-Modellen im Windkanal.

Vergleich mit Alternativen

HD350 Pitot-Rohr: 465 EUR. Beste Wahl für hohe Geschwindigkeit (5-100 m/s), Innen-Rohr-Messung, keine bewegten Teile.

SDL350 Hitzdraht (siehe frühere h-de-Artikel): Beste Wahl für niedrige Geschwindigkeit (0,1-25 m/s), großzügige Sonde für offene Räume.

Vane-Anemometer: Bester Preis-Leistung für einfache Ausblas-Messungen. Nicht geeignet für Innen-Rohr.

Ultraschall-Anemometer: Für stationäre Wetter-Stationen. Sehr teuer, überdimensioniert für portable Verwendung.

Lieferumfang

  • HD350 Instrument.
  • Pitot-Rohr (Ø3-4 mm typischer Durchmesser).
  • Zwei Anschlussschläuche à 85 cm (33,5 Zoll).
  • 9V-Batterie.
  • Windows-Software.
  • USB-Kabel.
  • Hartschalenkoffer.

Spezifikationen

  • Differential-Druck-Bereich: ±0,7252 psi (±50 mbar).
  • Präzision: ±0,3 % des Bereichs.
  • Druckeinheiten: 5 wählbar (Pa, mbar, mmH2O, inH2O, psi).
  • Berechnete Geschwindigkeit: 5-100 m/s.
  • Volumenstrom-Berechnung: manuell mit Rohr-Fläche.
  • Temperatur-Kompensation: automatisch mit externem Sensor.
  • Max/Min/AVG-Aufzeichnung mit Zeitstempel.
  • Zero-Funktion für Offset-Korrektur.
  • 99 Messwerte-Speicher pro Modus.
  • USB-Anschluss.
  • Großes bakgrundsbelyst LCD-Display.
  • Data-Hold und Auto-Power-Off.

Was Sie für das Geld bekommen

Extech HD350 Pitot-Rohr-Anemometer mit Differential-Manometer, ±0,7252 psi Bereich, 5 wählbare Druckeinheiten, gleichzeitige Anzeige von Druck + Luftgeschwindigkeit + Volumenstrom + Temperatur, Zero-Funktion für kleine Druck-Messungen, Max/Min/AVG-Aufzeichnung mit relativen Zeitstempel, 99 Messwerte-Speicher pro Modus, USB-Anschluss mit Windows-Software, komplett mit Pitot-Rohr, zwei 85 cm Anschlussschläuchen, 9V-Batterie und Hartschalenkoffer. 465 EUR.

Standard-Werkzeug für HVAC-Balancierungs-Ingenieure, industrielle Absaugungs-Verifikation, Reinraum-Zertifizierung, Rauchgas-Messung und andere Anwendungen, in denen Luftgeschwindigkeit IN einem Rohr oder Kanal gemessen werden muss (nicht am Auslass). Der Mehrpreis gegenüber einem Vane-Anemometer rechtfertigt sich durch die einzigartige Fähigkeit, durch kleine Rohrwand-Öffnungen zu messen — was für die meisten HVAC-Bilanzierungs-Aufgaben unumgänglich ist.

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