Veröffentlicht am 26. August 2026 um 08:51 Uhr
Zwei Arbeitsplätze, beide 28 Grad Lufttemperatur, beide 55 Prozent Luftfeuchte. Der eine liegt im Schatten, der andere in der prallen Sonne — oder neben einem Ofen. Für den Menschen sind das zwei völlig verschiedene Tage. Für ein gewöhnliches Thermometer sind es dieselben Zahlen.
Das ist kein Messfehler, sondern Absicht: Der Fühler eines Thermometers wird bewusst abgeschirmt, damit ihn Strahlung nicht verfälscht. Genau die Strahlung, die den Menschen belastet, wird also planmäßig aus der Messung herausgehalten.
Worum es geht
Ein WBGT-Messgerät zur Beurteilung von Hitzebelastung.
- Erfasst das Zusammenspiel von Temperatur, Luftfeuchte, Luftbewegung und Strahlungswärme
- Schwarze Globe-Temperatur (TG) zur Erfassung direkter Sonnen- und Strahlungswärme
- In/Out-Funktion: WBGT-Wert mit oder ohne direkte Sonneneinstrahlung
Die schwarze Kugel ist das eigentlich Kluge
Sie ist ein physikalisches Modell eines Menschen, der dort steht. Eine mattschwarze Kugel mit einem Fühler in der Mitte nimmt Strahlung auf, so wie ein Körper es tut, gibt gleichzeitig Wärme an die vorbeiströmende Luft ab und stellt sich auf eine Gleichgewichtstemperatur ein.
Dieser eine Messwert enthält damit drei Einflüsse auf einmal: wie viel Strahlung ankommt, wie warm die Luft ist und wie stark sie bewegt wird. Ein Windstoß kühlt die Kugel, genau wie er den Menschen kühlt. Steht man vor einem Ofen, steigt sie, obwohl die Lufttemperatur unverändert bleibt.
Und das Feuchtthermometer liefert die vierte Größe. Es zeigt, wie gut Verdunstung noch funktioniert — also ob der Körper seine einzige wirksame Kühlung überhaupt nutzen kann. WBGT gewichtet diese Messwerte zu einer Zahl, statt sie einzeln zu betrachten.
Warum es zwei Betriebsarten gibt
Draußen unter direkter Sonne trägt die Strahlung einen erheblichen Anteil bei; drinnen oder im Schatten kaum. Deshalb wird der WBGT-Wert in beiden Fällen unterschiedlich gewichtet — und ein Gerät, das nur eine Formel kennt, wäre in der jeweils anderen Situation systematisch falsch.
Die In/Out-Umschaltung sorgt dafür, dass derselbe Messkopf für beide Fälle den richtigen Index liefert. Das ist der Unterschied zwischen einem Wert, der mit einer Vorgabe vergleichbar ist, und einer Zahl, die nur ungefähr in die richtige Richtung zeigt.
Abgrenzung zum gefühlten Hitzeindex
Ein Hitzeindex aus Temperatur und Luftfeuchte beantwortet die Frage, wie warm die Luft sich anfühlt. Das ist im Büro, in der Küche oder in einer Halle ohne starke Strahlungsquellen völlig ausreichend.
WBGT beantwortet die andere Frage: wie groß ist die gesamte Wärmelast auf den Menschen, einschließlich dessen, was Sonne, Ofen oder heiße Wände beisteuern. Sobald eine Strahlungsquelle im Spiel ist, sind die beiden Zahlen nicht mehr austauschbar — und dann ist WBGT diejenige, an der sich Arbeits- und Pausenregeln orientieren.
Drei typische Anwendungsfälle
- Bau und Außenarbeit: Beurteilung im Sonnenschein, wo die Lufttemperatur allein irreführt.
- Gießerei, Schmiede, Bäckerei: Arbeitsplätze mit starker Strahlungswärme aus Anlagen.
- Sport und Training: Belastungsplanung an heißen Tagen.
Warum es sich rechnet
Hitzebelastung kostet lange bevor jemand ausfällt: Konzentration lässt nach, das Arbeitstempo sinkt, die Fehlerquote steigt — und all das wird selten als Hitzeproblem verbucht, sondern als schlechter Tag.
Der praktische Wert einer Messung liegt darin, dass die Entscheidung über Pausen nicht mehr davon abhängt, wer sie fordert. Eine Zahl, die alle akzeptieren, macht aus einer Diskussion eine Regel — und die schützt beide Seiten, den Beschäftigten wie den Verantwortlichen.